PUŠKIN, Alexandr Sergeevič (1799-1837),
Пушкин, Александр Сергеевич

russischer Dichter und Schriftsteller. Er gilt nicht nur als eigentlicher Begründer der russischen Literatursprache, sondern zugleich als der wichtigste und vielseitigste russische Schriftsteller überhaupt. Seine epischen und lyrischen Dichtungen, Dramen, Romane und Erzählungen, allen voran Evgeniy Onegin (1833; Eugen Onegin), hatten in der russischen Literatur grundlegende und richtungweisende Bedeutung.

Puškin wurde am 6. Juni 1799 in Moskau geboren. Er stammte aus einem alten Adelsgeschlecht. Mütterlicherseits war er der Urenkel Hannibals, des Mohren von Kaiser Peter dem Großen, was im 1827 entstandenen Romanfragment Arap Petra Velikogo (posthum 1837, Der Mohr Peters des Großen) seinen Niederschlag fand. Schon während seiner Schulzeit am Lyzeum in Carskoe Selo (1811-1817), das heute seinen Namen trägt, zeigte sich seine dichterische Begabung, die ihm bereits frühzeitig die Türen der Moskauer literarischen Salons öffnete. Ab 1817 bekleidete Puškin ein Amt im Sankt Petersburger Außenministerium; er nahm am Gesellschaftsleben der Hauptstadt teil und schloss sich einer im Untergrund agierenden Gruppe von Revolutionären an. Nachdem er im Jahr 1820 mit seiner Ode Volnost (Die Freiheit) den Unwillen der Obrigkeit erregt hatte, wurde er in den Kaukasus (zunächst nach Ekaterinoslav, später nach Kišiniov) versetzt. Im gleichen Jahr erschien sein von der russischen Volksdichtung beeinflusstes märchenhaftes Versepos Ruslan i Ludmila (Ruslan und Ludmila), das ihn als viel versprechendes Dichtertalent in ganz Russland bekannt machte. Neben Puškins Freiheitsliebe zeigt sich in seinen Gedichten auch der Einfluss Lord Byrons; offenbar wird dies in den so genannten „Südlichen Poemen" wie Kavkazsky plennik (1822; Der Gefangene im Kaukasus), Bachčisarajsky fontan (1822; Der Springbrunnen von Bachčisarai) und Cygany (1824; Die Zigeuner). Mit dem Abfassen seines Hauptwerkes Evgeniy Onegin (Eugen Onegin) begann Puškin bereits 1823. Das 1833 vollständig veröffentlichte Werk schildert die Lebens- und Liebesgeschichte des ironisch betrachteten byronistischen Titelhelden mit seiner „vor der Zeit gealterten Seele" im Kontext eines realistischen zeitgenössischen Hintergrunds. Damit wurde die idealistisch überhöhend argumentierende Literaturtradition der Epoche endgültig überwunden. Obgleich in Versen abgefasst, gilt dieses Werk als erster großer Roman in der russischen Literatur. Ihm verdanken Autoren wie Michail Lermontov, Ivan Turgenev oder Lev Tolstoi - sowohl stilistisch als auch durch die Einführung der Figur des „überflüssigen Menschen" - entscheidende Impulse. Der bedeutende russische Literaturkritiker Visarion Belinsky besprach den grandios komponierten Versroman zudem als „Enzyklopädie russischen Lebens". 1874 vertonte der russische Komponist Modest Musorgsky den Stoff zu einer 1896 von Rimsky-Korsakov bearbeiteten Oper.

1823 wurde Puškin nach Odessa versetzt; dort erregte er aufgrund einer Liebesaffäre mit der Frau eines Vorgesetzten erneut Missfallen. 1824 entließ man ihn aus dem Staatsdienst und verbannte ihn auf das elterliche Gut Michailovskoe im Bezirk Pskov. Zwar litt Puškin unter dieser Maßnahme, dennoch erwiesen sich die Jahre in der Verbannung als literarisch äußerst produktive Phase. Zwischen 1824 und 1825 verfasste er die historische Blankverstragödie Boris Godunov, in der sich der Einfluss Shakespeares manifestierte und das wachsende Interesse an nationalen Gestalten, namentlich an Boris Godunov, zeigte („Die Geschichte eines Volkes gehört dem Dichter"). Das Werk wurde sechs Jahre später veröffentlicht. Darüber hinaus entstand auf Michailovskoe das ironische Gedicht Graf Nulin (1825). 1826 von Zar Nikolaus I. begnadigt, allerdings weiterhin durch Zensurmaßnahmen von ihm überwacht, befasste sich Puškin in zwei langen Versepen erneut mit der russischen Geschichte: Poltava (1829) und Medny vsadnik (1834; Der eherne Reiter). Sein Prosaroman Kapitanskaia dočka (1836; Die Hauptmannstochter) hatte den Pugačov-Aufstand zum Inhalt. Nachdem sich Puškin ab 1830 verstärkt der Prosa zuwandte, entstand eine Reihe von phantastisch-realistischen Erzählungen; bekannt wurde insbesondere Pikovaia dama (1834; Pique Dame), mit der der Dichter zugleich den Typenbestand der europäischen Literatur um die Figur des skruppellos-geldgierigen, sozial indifferenten und zugleich leidenschaftlichen Karrieristen bereicherte. Darüber hinaus verfasste er 1830 die Kurztragödien Kamenny gost (posthum 1841; Der steinerne Gast) und Mocart i Salieri (1831; Mozart und Salieri). 1831 heiratete Puškin Natalja Gončarova. 1836 gründete er die einflussreiche Zeitschrift Sovremennik (Zeitgenosse). Puškin starb am 10. Februar 1837 an den Folgen einer Verletzung, die er im Duell mit dem französischen Emigranten Georges d'Anthès um die Ehre seiner Frau erlitten hatte, in Petersburg.

Puškins Werke, die Phasen des Klassizismus, der Romantik und des Realismus in Russland bestimmten, leiteten ein neues Zeitalter in der Literatur des Landes ein. Sein Hauptverdienst besteht darin, dass er nach französischem Vorbild und in Anlehnung an die gepflegte Umgangssprache eine russische Literatursprache etablierte und durch seinen Stil deren weitere Entwicklung entscheidend prägte. Nichtsdestotrotz griff er auch auf ältere Vorbilder zurück, die er zunächst in Anspielungen und Zitaten spielerisch integrierte, später in satirisch-parodistischer Verfremdung aber immer mehr angriff. Als Kenner der russischen Volksseele wusste Puškin die Eigenheiten seiner Landsleute auf vielfältige Weise zu porträtieren. Sein kraftvoller und von Optimismus geprägter lebendiger Prosastil hatten Vorbildcharakter für ganze Generationen späterer Schriftsteller. In der Lyrik setzte er mit einer formal prägnanten, dabei immer auch melodisch-lautlichen und von emotionaler Dichte getragener Bildsprache neue Akzente.

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LERMONTOV, Michail Jurjevič (1814 - 1841),
Лермонтов, Михаил Юрьевич

russischer Schriftsteller. Als Nachfolger Alexander Puškins gehört er zu den bedeutendsten Vertretern der zweiten Generation einer literarischen Romantik Russlands. Mit seiner Erzählweise und der psychologischen Tiefe seiner Werke avancierte er zum Wegbereiter des großen realistischen Romans der russischen Literatur im 19. Jahrhundert.

Lermontov wurde am 15. Oktober 1814 in Moskau geboren und besuchte eine Militärschule in Sankt Petersburg. Danach diente er als Kornett in einem Garderegiment. Sein Hauptinteresse galt jedoch der Dichtung, wobei er sich im sentimental-modischen Frühwerk (er schrieb bereits als 14-jähriger Gedichte) von der melancholischen Skepsis Lord Byrons und dessen Stilisierung des lyrischen Ichs zum einsam-verkannten Individuum leiten ließ. 1837 trat Lermontov mit dem Gedicht Smert poeta (Der Tod des Dichters), in dem er den Tod Puškins betrauerte, erstmals an die Öffentlichkeit. In den letzten 16 Zeilen beschuldigte er Zar Nikolaus I. der Unterdrückung von Freiheit und Kunst und gab der „Lasterbrut", die „den Thron umringt", an Puškins Tod die Schuld. Lermontov wurde daraufhin in den Kaukasus strafversetzt. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1838 veröffentlichte er eine Sammlung von Gedichten, darunter das romantische Poem Das Lied vom Zaren Ivan,seinem jungen Leibwächter und dem kühnen Kaufmann Kalašnikov, 1837) sowie die lyrische Verserzählung Demon (1840, Der Dämon. Eine Erzählung aus dem Osten), die er von 1829 bis in sein Todesjahr hinein weiter bearbeitete.

In dieser Zeit entstand auch sein berühmter autobiographischer Roman Geroj našego vremeni (1840, Ein Held unserer Zeit). Die von drei unterschiedlichen Erzählperspektiven getragenen fünf Novellen des Buchs schildern den Werdegang und die amourösen Abenteuer des jungen Offiziers Grigoriy Alexandrovič Pečorin, eines für die Nachfolgegeneration russischer Autoren zum Typenvorbild werdenden „überflüssigen Menschen" („lišniy čelovek"), dessen immer wieder aufflammende Leidenschaft zunehmend unter dem psychischen Grundgefühl von Langeweile und Gleichgültigkeit versiegt. Die letzten drei Abschnitte beschreiben an Hand von Tagebuchnotizen die Begebenheiten aus Sicht des Helden selbst, der sich, über sein Dasein reflektierend, als unsteter und tragischer Charakter einführt: „ich habe nie genug: an den Kummer gewöhne ich mich genauso wie an den Genuß, und mein Leben wird von Tag zu Tag inhaltsleerer". Mit seiner Beschreibung einer Faszination am Bösen, das das Romanpersonal zum Spielball der Hauptfigur degradiert, nimmt Ein Held unserer Zeit entscheidende Züge der großen philosophischen Ideenromane Fiodor M. Dostoevskys vorweg. In einem von Lermontovs letzten Gedichten, I skučno i grustno (1840), wird das Leben nochmals als „einsam und traurig" besungen und somit auch die Grundposition seines Verfassers zum Ausdruck gebracht. Wegen eines unerlaubten Zweikampfs mußte Lermontov 1840 erneut in den Kaukasus. Dort wurde er am 27. Juli 1841 bei Piatigorsk im Duell getötet.

Obwohl Lermontov bereits im Alter von 26 Jahren starb, hatte er sich zum Zeitpunkt seines Todes bereits als brillanter und talentierter Schriftsteller etabliert. Seine Werke unterlagen zu seinen Lebzeiten einer strengen Zensur, da er sich nachdrücklich für die Freiheit einsetzte und eine antireligiöse Haltung vertrat. Mit seinen Schriften sorgte Lermontov außerdem für eine Wiederbelebung der russischen Volksdichtung, die die liedhafte Melodik seiner Lyrik prägt. Die Lektüre von Ein Held unserer Zeit inspirierte den irischen Autor James Joyce zum Titel seines Romans Stephen Hero (posthum 1944, Stephen der Held). Zu Lermontovs Werken gehören außerdem die Verserzählung Mcyri (1840, georgisch: Der Novize; auch: Der Mzyri) und das elegante Intrigendrama Maskarad (1842, Die Maskerade), welches u. a. vom bürgerlichen Trauerspiel Lessing'scher Provenienz beeinflusst ist.

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CVETAEVA, Marina Ivanovna (1887-1941),
Цветаева, Марина Ивановна

russische Dichterin und Schriftstellerin. Sie wurde in Moskau, in einer Intellektuellen-Familie, geboren. Ihr Vater war Professor an der Moskauer Universität, ein bekannter Philologe und Kunstkenner, der im Folgenden mehrere Museen gründete und leitete. Die Mutter stammte aus einer russifizierten deutsch-polnischen Familie und war eine talentierte Pianistin. Cvetaevas Kinderjahre vergingen in Moskau und auf der Familiendatscha in Tarus. Die in Moskau angefangene Ausbildung setzte sie in Lausanne und Freiburg fort. Mit 16 Jahren unternahm sie eine selbständige Reise nach Paris, um in der Sorbonne einen Kurs über die altfranzösische Literatur zu belegen.

Bereits seit dem sechsten Lebensjahr fing sie an, Gedichte zu schreiben, und das nicht nur in Russisch, sondern auch in Französisch und Deutsch. Ab 16 fing sie an, ihre Gedichte zu veröffentlichen und bereits zwei Jahre später erschien insgeheim von ihren Eltern ihr erste Gedichtesammlung Večerniy albom (Das Abendalbum), die von solch angesehenen Kritikern wie V. Briusov, N. Gumilev und M. Vološin entdeckt und gelobt wurden. Ab dem ersten Treffen mit Vološin begann trotz bedeutendem Altersunterschied eine Dichter-Freundschaft. Ihre Gedichtsbände folgten eins auf das andere und beeindruckten durch ihre künstlerische Eigenständigkeit und Originalität. Sie hat sich keiner der literarischen Strömungen angeschlossen.

Im Jahr 1912 heiratete sie Sergei Éfron. Die Jahre des Ersten Weltkrieges, der Revolution und des Bürgerkrieges waren eine Zeit des starken künstlerischen Wachstums Cvetaevas. Sie lebte in Moskau, schrieb viel, veröffentlichte es jedoch kaum. Die Oktoberrevolution hat sie nicht angenommen, weil sie in ihr einen Aufstand "satanistischer Kräfte" sah. In der literarischen Welt hielt sich Cvetaeva nach wie vor eigenständig und abseits jeglicher Einflüsse.

Im Mai 1922 wurde ihr samt ihrer Tochter Ariadna die Ausreise erlaubt - zu ihrem Mann, der in der Zwischenzeit als Offizier der Weißen die Niederlage Denikins miterlebte, und nun Student der Prager Universität war. Erst lebte Cvetaeva einige Zeit in Berlin, dann drei Jahre in einem Vorort von Prag, bis sie im November 1925 nach der Geburt des Sohnes nach Paris zog. Das Leben der Emigranten war schwierig und arm.

Die künstlerische Energie Cvetaevas schwächte trotz allem nicht ab: 1923 veröffentlichte sie in Berlin das Buch Remeslo (Das Handwerk), das von Kritikern die höchsten Bewertungen erhielt. 1924, in der Prager Periode, schreibt sie die "Poeme des Berg", "Poeme vom Ende". 1926 beendet sich das Gedicht Krysolov (Der Rattenfänger), arbeitet an "Poeme der Treppe", "Poeme der Luft", "Vom Meer" und anderen Werken.

Die Mehrheit ihrer Werke bliebt unveröffentlicht: obwohl russische Emigrantenkreise Cvetaeva erst als eine von ihnen akzeptierten, wurde sie schnell durch ihre Unabhängigkeit, Kompromißlosigkeit und dichterische Obsession vollkommen einsam. Sie nahm an keinen dichterischen oder politischen Strömungen teil. Ihre letzte zu Lebzeiten erschienene Sammlung Posle Rossii (Zeit nach Russland, 1928) beinhaltete Gedichtete aus den Jahren 1922 bis 1925.

In den 30er Jahren wurde für Cvetaeva die Grenze immer deutlicher, die sie von der Weißen Emigration trennte. "Mein Unglück besteht darin, dass ich keine Emigrantin bin, dass ich im Geiste immer noch dort bin", schrieb sie. 1939 holt sie sich die sowjetische Staatsbürgerschaft zurück und siedelt zusammen mit ihrer Familie wieder nach Russland über. Sie träumte davon, dass sie in Russland als "erwünschter und erwarteter Gast" aufgenommen würde, doch dies ist nicht eingetreten. Ihr Mann und ihre Tochter wurden verhaftet. Cvetaeva lebte weiterhin einsam in Moskau und hielt sich mit Übersetzungen über Wasser. Der Anfang des Zweiten Weltkrieges und die Evakuation brachten sie und ihren Sohn nach Elabuga. Gequält, arbeitslos und einsam beging die Dichterin am 31. August 1941 Selbstmord.

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RACHMANINOV, Sergei Vasiljevič (1873-1943),
Рахманинов, Сергей Васильевич

russischer Komponist, Pianist und Dirigent. Er wurde am 1. April 1873 auf dem Gut Onega in der Nähe von Novgorod geboren und studierte in Moskau Klavier bei Nikolai Zverov und Alexandr Siloty, einem Schüler Franz Liszts. Komposition studierte Rachmaninov bei Anton Arensky und Sergei Taneev.

Mit dem Prelude cis-Moll (1892) für Klavier und der Oper Aleko (1893) feierte Rachmaninov erste Erfolge als Komponist. Es folgten u. a. 6 Moments musicaux op. 16 (1896), die Sinfonie No. 1 (1897), das Klavierkonzert No. 2 c-Moll (1900), die Sinfonie No. 2 e-Moll (1906), die sinfonische Dichtung Ostrov mertvyh op. 19 (1909) und Kolokola für Orchester mit Chor und Soli op. 39 (1913, nach The Bells von Edgar Allan Poe). Von 1904 bis 1906 dirigierte Rachmaninov am Bolšoi-Theater in Moskau, und von 1906 bis 1909 lebte er in Dresden.

Nach dem Ausbruch der Revolution verließ er 1917 Russland und lebte zunächst in Paris, ab 1935 in den USA. Zu den wichtigsten Kompositionen seiner späteren Schaffensperiode gehören u. a. die Variationen über ein Thema von A. Corelli op. 42 (1931) für Klavier, die Rhapsodie über ein Thema von Paganini (1936) für Klavier und Orchester, die Sinfonie No. 3 a-Moll (1936) und das Klavierkonzert No. 4 g-Moll (1937). Rachmaninov starb am 28. März 1943 in Beverly Hills.

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RIMSKY-KORSAKOV, Nikolai Andreevič (1844-1908),
Римский-Корсаков, Николай Андреевич

russischer Komponist und Dirigent. Rimsky-Korsakov wurde am 18. März 1844 in Tihvin in der Nähe von Novgorod geboren. Ab 1856 studierte er an der Marineakademie in Sankt Petersburg, nahm aber auch Instrumentalunterricht. 1861 lernte er über Mily Balakirev die „Gruppe der 5" kennen, eine Vereinigung junger, national gesinnter russischer Komponisten, der auch Alexandr Borodin, Modest Musorgsky und César Cui angehörten.

1871 erhielt er eine Professur am Konservatorium von Sankt Petersburg (heute N. A. Rimsky-Korsakov Staatskonservatorium), 1874 bis 1881 leitete er die Freischule für Musik und von 1886 bis 1890 die Konzerte des Russischen Sinfonieorchesters. Rimsky-Korsakov war eine der zentralen Figuren des russischen Musiklebens seiner Zeit. Zu seinen Schülern gehörten Glazunov, Respighi, Stravinsky und Prokofiev. Er vollendete Borodins Oper Fürst Igor (1889) und instrumentierte Mussorgskys Oper Boris Godunov (1896). Er starb am 21. Juni 1908 in Sankt Petersburg.

Rimsky-Korsakov war ein Meister der Instrumentierung und der koloristischen Darstellung. Seine Orchesterarbeit hatte großen Einfluss auf seine Schüler, zu denen die russischen Komponisten Igor Stravinsky und Alexandr Glazunov gehörten. Seine Abhandlung Die Grundlagen der Instrumentierung wurde 1913 veröffentlicht.

Zu seinen wichtigsten Werken zählen u. a. die Opern Sneguročka (1880-1881, Schneeflöckchen) und Le coq d'Or (1906-1907, Der goldene Hahn), außerdem die Orchesterwerke Capriccio Espagnol (1887), Scheherazade (1888) und Russische Ostern (1888). Darüber hinaus schrieb er drei Sinfonien, ein Klavierkonzert, Kammer- und Klaviermusik, Chorwerke und Lieder. Seine Autobiographie Chronik meines musikalischen Lebens wurde posthum 1909 (deutsche Ausgabe 1928) veröffentlicht.


RIMSKY-KORSAKOVs bekannteste Motive im MIDI-Format:
Der Hummelflug

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ŠOSTAKOVIČ, Dmitriy Dmitrievič (1906-1975),
Шостакович, Дмитрий Дмитриевич

sowjetischer Komponist. Er wurde am 25. September 1906 in Sankt Petersburg geboren, erlernte im Kindesalter das Klavierspiel und studierte von 1919 bis 1925 am dortigen Konservatorium. Später war er in Sankt Petersburg und am Moskauer Konservatorium als Kompositionslehrer tätig. Šostakovič hatte seinen ersten internationalen Erfolg mit seiner traditionellen 1. Sinfonie im Jahr 1926.

In der Folge orientierte sich Šostakovič - vor allem in der 2. Sinfonie (1927) und seiner ersten Oper Die Nase (1929; nach der Erzählung von Nikolai Gogol) - noch stark am Vorbild der expressionistischen und atonalen Ausdrucksweise westlicher Komponisten wie Paul Hindemith und Alban Berg. Diese Werke wurden sowohl von der Kritik als auch von der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommen, offiziell jedoch als „bourgeois und dekadent" kritisiert. Ebenso erging es ihm mit der nächsten Oper, Lady Macbeth von Mcensk (1934; Neufassung als Katerina Izmajlova, 1963). Šostakovič zog die Oper sowie zahlreiche andere Werke (u. a. die 3. und 4. Sinfonie) zurück.

Erst mit der 5. Sinfonie (1937), der 6. Sinfonie (1939) und der 7. Sinfonie, der Leningrader (1942), wurde Šostakovič als Symphoniker anerkannt. Die 7. Sinfonie entstand während der Belagerung Leningrads im 2. Weltkrieg, hatte am 1. März 1942 in Moskau Premiere und wurde bereits am 15. März desselben Jahres unter großem Beifall des Publikums von Arturo Toscanini in New York dirigiert. 1948 wurde seine Musik allerdings erneut von der offiziellen Kulturpolitik als „neoklassizistisch" und „manieristisch" kritisiert. Šostakovič zog sich daraufhin zurück und schuf eine Musik, die zwar von der offiziellen Linie akzeptiert wurde, trotzdem aber seinen inneren Widerstand ausdrückte. Trotz seiner Stellung als bewusst sozialistischer Künstler und trotz seiner wiederholten Schwierigkeiten mit der offiziellen Parteidoktrin gelang es ihm, seine künstlerische Unabhängigkeit zu bewahren. Als Reaktion auf die offizielle Ablehnung schrieb er das Oratorium Pesn o lesah (Lied von den Wäldern), das 1950 mit dem Stalinpreis ausgezeichnet wurde. 1966 erhielt er als erster Komponist die Auszeichnung „Held der sozialistischen Arbeiterbewegung". Er starb am 9. August 1975 in Moskau.

Im Zentrum von Šostakovičs Werk stehen seine Instrumentalwerke. Neben dem umfangreichen sinfonischen Werk (15 Sinfonien) schuf er 15 Streichquartette (1938-1974), die zu den Hauptwerken des zeitgenössischen Streichquartettrepertoires zählen, sowie zahlreiche Konzerte, Opern, Kammer- und Klaviermusiken, Ballette, eine Operette, Oratorien, Kantaten, Lieder, Bühnen- und Filmmusiken. Seine Zwischenstellung zwischen der Musik des 19. Jahrhunderts und der Moderne wird besonders in den Sinfonien deutlich, die die Gattung in der Tradition von Beethoven, Čaikovsky und Mahler fortsetzen.

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TARKOVSKY, Andrei Arsenjevič (1932-1986),
Тарковский, Андрей Арсеньевич

sowjetischer Filmregisseur. Er wurde am 4. April 1932 als Sohn des Dichters Arseniy Tarkovsky in Zavražje geboren und wuchs in der Künstlerkolonie von Peredelkino bei Moskau auf. Zunächst absolvierte er ein weit gefächertes Studium mit den Fächern Geologie, Malerei, Musik und Bildhauerei. Während der politischen Tauwetterperiode nach Stalins Tod studierte Tarkovsky an der staatlichen Filmschule VGIK. Nach seinem Abschluss 1960 wurde er mit der Aufgabe betraut, die stockenden Dreharbeiten zu dem Film Ivanovo detstvo (Ivans Kindheit), der Geschichte eines jungen Kundschafters im 2. Weltkrieg, zu Ende zu führen. Tarkovsky wurde 1962 bei den Filmfestspielen von Venedig der Goldene Löwe für diese Regieleistung verliehen, und fortan galt er als Leitfigur einer neuen Generation sowjetischer und internationaler Filmemacher.

Tarkovskys nächstes großes Projekt, Andrei Rublóv (1966-1969), erzählt die Lebensgeschichte des gleichnamigen Ikonenmalers und entwirft ein monumentales Panorama des mittelalterlichen Russland. Tendenz und Inszenierungsstil stießen indessen auf negative Resonanz der offiziellen Stellen, weshalb der zwischen 1964 und 1966 entstandene Film erst 1971 zur Aufführung freigegeben wurde. Tarkovskys Sciencefictionfilm Solaris (1972, nach dem Roman von Stanislaw Lem) war stilistisch ähnlich konzipiert, stieß jedoch auf geringeren Widerstand als sein Vorgänger und setzte neue Maßstäbe für das Genre. In Zerkalo (1975, Der Spiegel) verband er bruchstückhafte Erinnerungen aus seiner Kindheit mit Gedichten seines Vaters zu einer poetischen Autobiographie, die zugleich den Werdegang einer ganzen Generation wiedergab. Mit dem Sciencefictionfilm Stalker (1979, Der Stalker) nach einem Roman von den Brüdern Strugacky, einem eigenwilligen Werk von großer visueller Kraft, schuf er eine religiöse Allegorie, die den Konflikt mit der sowjetischen Staatsmacht wiederum verschärfte.

Nach Beendigung der Dreharbeiten für Nostalghia (1983) in Italien, der am Beispiel eines russischen Komponisten des 18. Jahrhunderts die Exilproblematik aufgriff, gab Tarkovsky öffentlich bekannt, dass er nicht in die Sowjetunion zurückkehren werde. 1986 drehte Tarkovsky in Schweden seinen letzten Film, die politisch-religiöse Parabel Offret (Opfer), in der er ein düsteres Bild der Welt nach einem vernichtenden Atomschlag zeichnete. Tarkovsky starb am 26. Dezember 1986 in Paris. Sein Tod im Exil bedeutete einen schweren Schlag für die russischen Filmschaffenden, und trotz der unter Präsident Gorbačov einsetzenden kulturellen Aufbruchbewegung hat Russland bislang keinen Regisseur dieses Formats mehr hervorgebracht. Seine Ansichten über Film, Kultur und Politik legte Tarkovsky 1985 in dem Essayband Die versiegelte Zeit nieder.

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