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B6
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LOKALE
KULTUR
RHEINISCHE
POST MONTAG 20. JUNI
2005
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„SICHTBARE
MUSIK
„: Eurythmie
im Schumann-Saal
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Sichtbar
gewordene Musik, sichtbar gewordene Sprache. Dies und nicht weniger will
die Eurythmie sein, jene avantgardistische Kunsts-Sparte, die in den
letzten Jahren von Rudolf Steiner ins Leben gerufen wurde. Ein Ensemble
der Moskauer Hochschule „Templaida“
hat sich nun zweier Werke der russischsen Literatur angenommen, um sie dem
deutschen Publikum „eurythmisch“ zu präsentieren. Die
Aufführung im Robert- Schumann- Saal am Freitag begann mit Alexander
Puschkins Novelle „Der Schneesturm“. Eine geschmackvolle, beihnahe
„kammermusikalische“ Inszenierung, deren Reiz
in der Hervorhebung klassischer
Schlichtheit lag. Während die äussere Handlung recht unspektakulär
verlief, entdeckte die Gruppe ihre eigentliche Nische in der plastischen
Umsetzung der Naturereignisse. Zurecht, denn bei Puschkin sind es grade
diese, die in das menschliche Leben eingreifen und zu
Schicksalsverflechtungen führen. Ein Wermutstropfen war dabei allerdings
die stark epigonenhafte und sentimentale Musik von Georgij Swiridow, mit
der Kirill Monorosi das Geschehen am Klavier begleitete. Das
sollte sich im zweiten Teil ändern: Die zu Nikolai Gumiljovs Stück
„Das
Kind Allahs“ gewählte Klavierfassung der „Scheherazade“ von Nikolai
Rimski-Korsakow erwies sich als dem Stoff ebenbürtig. Gumiljows Werk
ist ein Kleinod russischer Dichtung und der hierzulande fast
unbekannte Lyriker eine zentrale Gestalt innerhalb der Petersburger
Moderne. Das 1916 verfasste Puppenspiel erklang in Originalsprache. Und
hier nun sparte die Inszenierung nicht mit orientalischer Üppigkeit. Die
verfeinerten Bewegungen liessen die Mystik arabischer Märchen lebendig
werden. Nicht zuletzt auch ihrem Humor, wie in der kokett angelegten Figur
des Einhorns. Und Dank der Eurythmie bedurften die grazielen Verse
Gumilows keiner Übersetzung, wurden in der Tat sichtbar und, was noch
wesentlicher ist: fühlbar. |
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