Moskau,Weihnachten 2003

 Liebe Freunde
Bevor das Jahr zu Ende geht, möchten wir uns mit einem kurzen Bericht für Ihre großzügige und treue Unterstützung unserer Arbeit von ganzem Herzen bedanken.
Viele Prüfungen waren in diesem Schuljahr zu bestehen, bis endlich zum 1. November der Umzug in die Räume der Schule für dramatische Kunst möglich wurde.
Das diesjährige westliche Weihnachtsfest wird das Institut in den schönen lichten Studio-Sälen im Zentrum von Moskau feiern. Ein vielseitiges Abschlussprogramm aller Kurse wird zu sehen sein. Das zweite Jahr hat die vier Monate dieses Schuljahres an den Jahreszeiten von Tschaikowski gearbeitet und passend zu den Stimmungen der Musik Gedichte russischer Lyriker des 19. und 20. Jahrhunderts vorbereitet.

Das vierte Jahr zeigt zwei umfassende Werke: das russische Volksmärchen „Finist,der helle Falke“.Das Märchen bietet für den großen Kurs mit 18 Teilnehmern eine Vielfalt von interessanten Gestalten. Das zweite Werk ist die musikalisch-dichterische Komposition von Rimskij-Korsakoff „Scheherazade“ Gedichten von Nikolai Gumiljov aus dem Poem „Kind des Allah“, Werke, die durch ihre Aktualität mitreißen und beeindrucken. Die Studenten werden beide Stücke hoffentlich im Sommer in Dornach auf dem Treffen aller Eurythmie-Schulen zeigen können. Außerdem sind im neuen Jahr Aufführungen vor allem des Märchens in Schulen geplant.

Das fünfte Jahr bereitet sein Programm für die Abschlussprüfung im Juni vor und hat in den letzten Monaten seinen ersten Kurs in pädagogischer Eurythmie bei unsere ehemaligen Mitarbeiterin Frau Slutsch in der Moskauer Waldorfschule 1060 gemacht und sein erstes Schulpraktikum durchlaufen. Da die Eurythmie in dieser Schule dank des künstlerischen Einsatzes von drei Absolventen der Akademie jetzt auch in der Mittel-und Oberstufe Fuß gefasst hat und selbst die Jungen der 10. Klasse mit Begeisterung an einem großen Projekt von Glucks „Orpheus und Eurydike“ mitmachen, kann ein Praktikum nur Anreiz sein, auch Eurythmielehrer zu werden.

 Eine Studentin des fünften Jahres und zwei Studenten des 4. Jahres haben mit der Bühnengruppe an dem neuen Programm für die England-Tournee im Januar-Februar mit- gearbeitet. Im Mittelpunkt steht eine neue eurythmische Komposition mit Musik von A. Schnittke, 1. und 3. Klaviersonate und Gedichten von Marina Zwetaeva. Musik und Gedichte spiegeln ungeheuer intensiv die Dramatik unserer Zeit, deuten aber auch Wege, die in die Zukunft führen könnten. Deshalb wurde das Programm „Träume“ genannt. Am Anfang stehen die Corelli-Varationen von Rachmaninoff, ein Spätwerk von großer Tiefe, das bereits 2001 von Studenten des fünften Jahres im großen Tschaikowskij-Saal in Moskau gezeigt  und intensiv vom Publikum erlebt wurde. Der zweite Teil des Programms ist heiter und leicht, aber auch mit „Tiefsinn“: „Das Märchen vom Fischer und dem goldenen Fisch“ von A. Puschkin, eine  russische Version des Grimmschen Märchens von dem Fischer un syner Fru. Sieben Aufführungen vom 29.- Januar bis 3. Februar 2004 stehen bevor und werden mit Spannung erwartet.

Es scheint fast wie ein Wunder, dass trotz aller äußeren Schwierigkeiten die eurythmische Arbeit so produktiv weitergeführt werden konnte. Wegen den bescheidenen finanziellen Mitteln, die uns zur Verfügung standen, mussten einige Nebenfächern -hoffentlich nur in diesem Schuljahr- gestrichen werden. Neben Laut-, Ton- und Stabeurythmie gibt es im Moment noch Sprachgestaltung, Musik, Stimmbildung, Chor und Anthroposophie. Da Frau Drugowa, Leiterin der Eurythmie-Abteilung, im September 2003 ihren Dokortitel in Philosophie erhalten hat – das Thema ihrer Dissertation war: Rudolf Steiners Ästhetik und deren Verwirklichung in der Kunst- wird sie im nächsten Semester die Fächer Philosophie und Ästhetik übernehmen können.

Auch die anderen beiden Eurythmie-Dozenten verfassten  wissenschaftliche Ausarbeitungen zu methodischen Fragen der Eurythmieausbildung. Frau Chraputzkaja beendete eine Schrift zu den musikaischen Stilen in der Eurythmie.
Inzwischen liegt der Vertrag mit der Schule für dramatische Kunst und  dessen Leiter Anatolij Vassiljev vor. Das Institut wird sich also bis zum Sommer langsam in die neue Institution eingliedern. Herr Vassiljev wird auch den für die Erneuerung der im Juni 2003 ausgelaufenen Lizenz Mietvertrag auf 10 Jahre  zur Verfügung stellen. So bleibt zu hoffen, dass es gelingt bis zum Ende des Schuljahres wieder  als Institut auf festem legalem Boden zu stehen! Im ungeheizten Kindergarten warten zur Zeit nur noch die Flügel, Klaviere und sonstiges Inventar auf den Transport. Die Eisenbahn weigerte sich im September die Heizung zu reparieren, da wir den neuen Mietvertrag mit einer Monatsmiete von 5000$ nicht unterschreiben konnten...Kein leichter Weg nach 12 Jahren Einsatz in diesem Land. Mut macht nur die ungeheuer fruchtvolle Arbeit der über 70 Absolventen der Akademie und das intensive Studium der momentanen Studenten, die die äußere unsichere Situation nicht von ihrem Ziel Eurythmist zu werden abschreckt.

In der großen Hoffnung,dass es wie in jedem Jahr gelingt, die noch fehlende Lücke im Jahreshaushalt 2003/2004 von 25 000 EUR   bis zum Juni zu schließen, grüßen wir Sie in Dankbarkeit und mit den besten Wünschen für das neue Jahr

Für die Dozenten und Studenten des Institutes für musikalische Plastik und Drama  

Dr. Nikolai Konovalenko